1. Inhalt: Im Rahmen des alttestamentlichen Proseminars soll die Fähigkeit zur selbständigen und reflektierten Auslegung alttestamentlicher Texte erworben werden. Dazu werden die Methodenschritte der historisch-kritischen Exegese erarbeitet und exemplarisch zur Auslegung von Texten aus dem Jesajabuch genutzt. Dabei gilt es, eigene Vorannahmen wahrzunehmen, von biblischen Aussagen zu unterscheiden und exegetisch begründete eigene Einschätzungen zu entwickeln.
  2. Literatur: Siegfried Kreuzer/Dieter Vieweger, Proseminar I: Altes Testament, Stuttgart 3. Aufl. 2019.
  3. Voraussetzungen: Hebraicum
  4. Leistungspunkte: 3 LP
  5. Lehrform: Das Proseminar findet an drei Blockwochenenden (Fr 9.5./Sa 10.4.; Fr 6.6./Sa 7.6.; Fr 27.6./Sa 28.6., jeweils 16-20 und 9-14h) sowie in drei zwischengeschalteten Zoom-Sitzungen (Di 20.5., Di 27.5., Di 17.6., jeweils 16-18h) statt.

Die Tora enthält die wohl bekanntesten und wirksamsten Texte unseres Kulturkreises. Trotzdem wissen wir bis heute nicht genau, wie der Pentateuch entstanden ist. Als gesichert kann gelten, dass es wohl kein Schriftstück dieses Alters gibt, an dem so viele Menschen über einen so langen Zeitraum mitgewirkt haben. Am Ende ist ein Text dabei herausgekommen, der zuerst im frühen Judentum kanonisiert und dann über auch über das Judentum hinaus durch die Jahrhunderte bis heute ausgelegt und diskutiert wurde und wird. Trotz christlicher Polemik gegen die Tora haben die Erzählungen und die Rechtstexte in der Kirche immer eine wesentliche Rolle gespielt. Im Zuge des christlich-jüdischen Dialoges ist deutlich geworden, dass die Tora innerbiblisch bis ins Neue Testament hinein exemplarisch ausgelegt wird und somit für die Kirche keineswegs als „überholt“ angesehen werden kann. 

 

In dem Seminar werden wir darum sowohl nach der Entstehungsgeschichte der Tora als auch nach dem Potential der uns heute vorliegenden Endgestalt(en) fragen.

1 INHALT

Die Bücher Haggai und (Proto-)Sacharja sind über einen erzählenden Rahmen eng miteinander verbunden; sie führen in die frühe nachexilische Zeit. In ihnen finden sich Worte und Visionen zweier Propheten, die um 520 v.Chr. noch vor der Einweihung des zweiten Tempels und mitten im Elend einer wirtschaftlich und theologisch nicht heil aussehenden Stadt von der anbrechenden Zeit des Heils sprechen. Die hierhin gehörende messianische Weissagung von Hag 2,20-23 gehört dabei zu den beeindruckendsten Worten israelitischer Prophetie.

Die Lektüre wendet sich diesen beiden kleinen Prophetenbüchern zu und führt damit in das Wesen der frühnachexilischen Heilsprophetie ein. Zugleich sollen Grundlagen der hebräischen Sprache (Formenlehre und Syntax) aufgefrischt, wiederholt und vertieft werden.

2 LITERATUR

Zur Wiederholung der hebräischen Grammatik empfehle ich: A.B. Ernst, Kurze Grammatik des Biblischen Hebräisch, 6. Aufl. 2022 (oder frühere Auflage), zur Einführung in die Bücher Haggai und Sacharja: 

W.H.Schmidt, Einführung in das Alte Testament, 5. Auflage 1995, § 22, 275- 282 und

Jan Chr.Gertz, Grundinformation Altes Testament, 5. Aufl. 2016, 404-410.

3 VORAUSSETZUNGEN

Die Übung ist für Studierende aller Semester, die Interesse an der hebräischen Sprache und dem Alten Testament haben, geeignet – auch für die, deren Hebräisch bedrohlich geschwunden ist, ideal also zur Fortsetzung des Hebräischkurses und zur Examensvorbereitung. Das Hebraicum ist jedoch Voraussetzung.

4 ANFORDERUNGEN

Regelmäßige Teilnahme und ein wenig Vorbereitung der – sprachlich nicht allzu schwierigen – Texte hebräischer Prophetie (etwa eine halbe Seite Biblia Hebraica wöchentlich).

5 LEISTUNGSPUNKTE UND PRÜFUNGEN

Bei regelmäßiger Teilnahme (nicht mehr als zwei Fehlstunden) gibt es 2 LP. Bei unregelmäßiger Teilnahme (nicht mehr als vier Fehlstunden) gibt es 2 LP unter der Voraussetzung einer kleinen mündlichen Lese- und Übersetzungsprüfung zu den in der Übung besprochenen Texten.