Das Motiv des „Sündenbocks“ gehört zu den eindrücklichsten Bildern der biblischen Tradition. Ausgehend vom Ritual des Sündenbocks in Lev 16 und der Gestalt des leidenden Gottesknechts in Jes 53 und anderer prophetischer Texte (z.B. Jer 11 und Ez 4) und einiger Psalmen (Ps 22 und 69) soll im Seminar untersucht werden, wie Schuld, Gewalt und kollektive Krisen in biblischen Texten verarbeitet werden.

Ein besonderer Schwerpunkt des Seminars soll auf der Rezeption dieser Motive im Neuen Testament liegen. So soll gefragt werden, wie die alttestamentlichen Texte in den neutestamentlichen Schriften geeignet sind, das Christusereignis zu deuten. Hier werden Röm 3 und die Passionsgeschichte nach Lukas im Mittelpunkt stehen.

Neben der exegetischen Arbeit an ausgewählten Texten werden wir zentrale Deutungsansätze der modernen Forschung diskutieren, insbesondere die Theorie des Sündenbockmechanismus bei René Girard sowie ihre Weiterführung in Theologie und Kulturtheorie (u. a. Raymund Schwager und James Alison).

Das Seminar verbindet alttestamentliche Exegese mit religionsanthropologischen und theologischen Perspektiven und fragt danach, wie biblische Texte Mechanismen kollektiver Gewalt beschreiben, reflektieren und kritisch aufdecken – und welche Rolle diese Deutungen für das Verständnis der christlichen Tradition spielen.

  1  INHALT

Eine gute Bibelkunde ist für das Theologiestudium ebenso wichtig wie für den späteren Dienst in der Kirche. Bibelkunde öffnet im Studium die Türen für alle weitere exegetische, systematisch- und praktisch-theologische Arbeit.

Die Übung hilft bei der Aneignung der Bibelkunde des Alten Testaments, wie sie für das Studium des Alten Testaments und die Bibelkundeprüfung im Rahmen des Grundlagenmoduls oder für das Bewerbungsverfahren im MThSt nötig sind. Ausgehend vom eigenen Lesen und Erarbeiten der Bibel sollen Aufbau und Inhalt der Bücher des Alten Testaments vor dem Hintergrund wichtiger Ergebnisse der Einleitungswissenschaft besprochen werden.

 2  LITERATUR

Zur Begleitung der Übung empfehle ich W. H. Schmidt, Einführung in das Alte Testament, Berlin, 5. Auflage 1995.

Als Arbeits- und Lernbuch empfehle ich M. Rösel, Bibelkunde des Alten Testaments: Die kanonischen und apokryphen Schriften, Göttingen, 10. Auflage 2018 oder neuere Auflage.

3  VORAUSSETZUNGEN

Die Übung ist gleichermaßen für Studienanfänger*innen, die einen ersten Überblick über das Alte Testament gewinnen wollen, wie für höhere Semester, die die Bibelkundeprüfung AT oder das Examen oder sich auf die Zulassung zum nächsten MThSt-Kurs vorbereiten wollen, geeignet. Hebräischkenntnisse sind hilfreich, aber nicht nötig.

4  ANFORDERUNGEN

Regelmäßige Teilnahme, Beteiligung sowie intensive Vor- bzw. Nachbereitung (ca. 1-2 Stunden pro Tag).

  5  LEISTUNGSPUNKTE

6 LP bei bestandener Bibelkundeprüfung.

1  INHALT

Amos ist der älteste der sog. Schriftpropheten. Sein Buch enthält, folgt man der Überschrift, Worte und Visionen des Propheten, der in der Mitte des 8. Jahrhunderts vor Christus wirkte. Amos stammt aus dem Südreich Juda, wirkte aber, darf man dem Buch trauen, an verschiedenen Orten des Nordreichs Israel. In einer Zeit außenpolitischer Ruhe und Wohlstands sagen seine Worte Israel das „Ende“ an. Kult- und Sozialkritik prägen seine Begründung. Nur selten klingt (in ihrer Echtheit umstrittenes) Heilvolles an.

Die Übung wendet sich der Lektüre des Amosbuchs zu, dient dabei zugleich der Einführung in die israelitische Prophetie des 8. Jahrhunderts wie der Wiederholung und Vertiefung der Hebräischen Sprache.

  2  LITERATUR

Zur ersten Einführung in das Amosbuch: W.H.Schmidt, Einführung in das Alte Testament, § 14. Amos, Berlin u.a. 5. Aufl. 1995, 199-205; J.C.Gertz, Grundinformation Altes Testament, Göttingen, 5. Aufl. 2016, § 12.3.

Als Kommentare insbesondere: H.W.Wolff, Joel und Amos. BK.AT XIV/2, 1969; J.Jeremia, Der Prophet Amos, ATD 24/2, 2. Aufl. 2007; U.Dahmen/G.Fischer, Das Buch Joel. Das Buch Amos, NStK.AT 23/2, Stuttgart 2001.

Zur Wiederholung und Vertiefung des Hebräischen: Alexander B. Ernst, Kurze Grammatik des Biblischen Hebräisch, 6. Auflage 2022 (oder frühere Auflage).

3  VORAUSSETZUNGEN

Die Übung ist für Studierende aller Semester, die Interesse am Alten Testament und der Hebräischen Sprache haben, geeignet und ideal zur Fortsetzung des Hebräischkurses oder der Examensvorbereitung.

 4  ANFORDERUNGEN

Regelmäßige Teilnahme und Vorbereitung der Hebräischen Texte (ungefähr ein halbe Seite Biblia Hebraica pro Woche).

  5  LEISTUNGSPUNKTE

2 LP bei regelmäßiger Teilnahme (mit nicht mehr als 2 Fehlstunden) oder nach mündlicher Prüfung im Anschluss an die Übung bei nicht mehr als 5 Fehlstunden.

 

 

 

  1. Inhalt: Im Rahmen des alttestamentlichen Proseminars soll die Fähigkeit zur selbständigen und reflektierten Auslegung alttestamentlicher Texte erworben werden. Dazu werden die Methodenschritte der historisch-kritischen Exegese erarbeitet und exemplarisch zur Auslegung von Texten aus dem Jesajabuch genutzt. Dabei gilt es, eigene Vorannahmen wahrzunehmen, von biblischen Aussagen zu unterscheiden und exegetisch begründete eigene Einschätzungen zu entwickeln.
  2. Literatur: Siegfried Kreuzer/Dieter Vieweger, Proseminar I: Altes Testament, Stuttgart 3. Aufl. 2019.
  3. Voraussetzungen: Hebraicum
  4. Leistungspunkte: 3 LP
  5. Lehrform: Das Proseminar findet an drei Blockwochenenden (Fr 8.5./Sa 9.5.; Fr 5.6./Sa 6.6.; Fr 19.6./Sa 20.6., jeweils 14-20 und 9-13h) sowie in zwei zwischengeschalteten Zoom-Sitzungen (Di 26.5., Di 30.6., jeweils 16-18h) statt.
  6. Dozentin: Dr. Ruth Poser (ruth.poser@kiho-wuppertal.de)

Die Königebücher erzählen Israels Geschichte von der Zeit Davids (10. Jh.) bis zum Babylonischen Exil (6. Jh.). Hauptfiguren sind die König*innen Israels und Judas von Salomo über Jehu und Atalja bis zu Jojakim. Historische Rekonstruktionen und archäologische Erkenntnisse ergeben oft ein ganz anderes Bild als die Erzählungen der Königebücher. In der Vorlesung sollen zentrale Ereignisse der Geschichte Israels wie die sogenannte Reichsteilung, das Ende des Nordreichs, der Feldzug Sanheribs und die Eroberung Jerusalems im Vergleich von Erzählung und historischen Erkenntnissen behandelt werden.
Dabei spielen narratologische Überlegungen eine wichtige Rolle: Wie wird in den Königebüchern erzählt, und warum so? Wie verhält sich der Anspruch, Wirklichkeit zu erzählen zu der fiktionalen und normativen Erzählweise? Handelt es sich um Traumaliteratur? Die deuteronomistische Geschichtstheologie der Königebücher ist ein Krisenphänomen. Sie deutet Israels und Judas Geschichte von ihrem vorläufigen Ende im babylonischen Exil her. In der Krise schaffen die Königebücher Identifikationsmöglichkeiten, geben Orientierung und öffnen so Wege in die Zukunft.