Die Übung beschäftigt sich zum einen auf der Sachebene mit den grundlegenden reformatorischen Konfessionen (historische Einordnung), wobei die eigene konfessionelle Identität auch in den Block kommt. Die Übung bietet daneben - anders als eine Vorlesung - auf der methodischen Ebene unterschiedliche Zugänge zum Thema an. Genaueres wird in der konstituierenden Sitzung erklärt.

1 INHALT

Die Bekenntnisse des Kirchenvaters Augustinus (354-430 n.Chr.) gehören zu den bekanntesten Werken der christlichen Spätantike und zugleich zu den meistgelesenen Texten der Weltgeschichte überhaupt. In einer Art geistlicher Autobiographie entfaltet der lateinische Kirchenvater hier seinen eigenen Lebensweg als ein Lobgebet an Gott. Von seiner Jugend in Nordafrika, über seine Karriere als Rhetor – u.a. in Rom und Mailand – bis zu seinem Bekehrungserlebnis 386 n.Chr. bieten diese sog. Confessiones spannende Einblicke in die Gedankenwelt und Lebensrealität der römisch-christlichen Spätantike. Die Leserinnen und Leser blicken dabei durch die Augen eines der bedeutendsten Theologen der Kirchengeschichte, dessen Schriften prägenden Einfluss insbesondere auf die theologische Entwicklung in Mittelalter und Reformationszeit haben sollten.

Bis in die Gegenwart hinein haben die Bekenntnisse des Augustinus immer wieder Christinnen und Christen inspiriert, es dem Bischof von Hippo gleich zu tun und in ihrem eigenen Lebensweg nach den Spuren des Wirkens Gottes zu suchen. Die Confessionesgehören somit auch zu den spirituellen ‚Klassikern‘ des Christentums, in denen bereits viele Generationen ihre eigenen Glaubenserfahrungen und Fragen wiederentdecken konnten.

Im Proseminar wollen wir uns diesem Schlüsseltext der Kirchengeschichte, sowie dem Leben und Wirken seines Verfassers gemeinsam nähern. Wir werden entsprechende Ausschnitte der Bekenntnisse (bes. Bücher I-IX) miteinander lesen und interpretieren. Dabei werden wir auch die Problemstellungen und Methoden kirchengeschichtlichen Arbeitens kennenlernen und exemplarisch einüben. Das Proseminar zielt somit auch allgemein auf das Erlernen eines methodisch-reflektierten Umgangs mit Quellentexten. Im Rahmen des Proseminars ist einmal eine kurze schriftliche Ausarbeitung zu erstellen und zu besprechen.

2 LITERATUR

Als Textgrundlage für die Arbeit im Seminar dient: Aurelius Augustinus, Confessiones / Bekenntnisse. Lateinisch / Deutsch, Übersetzt, herausgegeben und kommentiert von Kurt Flasch und Burkhard Mojsisch, Reclams Universal-Bibliothek Nr. 18676, Ditzingen 2009. (ISBN: 978-3-15-018676-3 ) Bitte schaffen sich diese Ausgabe im Vorfeld des Seminars an. Weitere Literatur wird im Proseminar bekanntgegeben. Für alle, die sich bereits im Vorfeld orientieren wollen, mögen folgende Werke hilfreich sein: Christoph Markschies, Arbeitsbuch Kirchengeschichte, Tübingen 1995. // Klaus Rosen, Augustinus. Genie und Heiliger: eine historische Biographie, Darmstadt 2015.

3 VORAUSSETZUNGEN

Latinum oder mindestens erfolgreich abgeschlossener Kurs Latein I.

4 ANFORDERUNGEN

Intensive Vorbereitung und regelmäßige Mitarbeit, ggf. Übernahme von Kurzreferaten und Teilnahme an Arbeitsgruppen, Abgabe einer kleinen schriftlichen Ausarbeitung mit Besprechung. Ein benoteter Proseminarschein wird aufgrund der Erarbeitung und Abgabe einer Proseminararbeit erteilt.

5 LEISTUNGSPUNKTE

Regelmäßige Teilnahme 3 LP, Proseminararbeit 5 LP.

1  INHALT

Das Christentum ist eine Weltreligion – in der globalisierten Gegenwart erfahrbarer als je zuvor in seiner Geschichte. Die kirchengeschichtliche Perspektive in Lehre, Studium und Prüfungen ist demgegenüber meist geographisch verengt: Deutschland, bestenfalls Europa, stehen im Zentrum. Das hat pragmatische Gründe und wird sich nicht so bald ändern.

Diese Übung möchte wenigstens das Bewusstsein schärfen, dass die Geschichte des Christentums noch mehr umfasst. Sie ist eine Einladung, anhand von Texten in deutscher Übersetzung geschichtliche Vorgänge und Erfahrungen in Asien, Afrika und Lateinamerika zu erkunden und dabei gemeinsam Neues zu entdecken. Das gilt in diesem Fall ausdrücklich auch für den Dozenten!

2  LITERATUR

Quellen: Außereuropäische Christentumsgeschichte. Asien, Afrika, Lateinamerika 1450 bis 1990, hg. von Klaus Koschorke, Frieder Ludwig und Mario Delgado, 4. Aufl. 2012.

3  VORAUSSETZUNGEN

Keine.

4  ANFORDERUNGEN

Regelmäßige aktive Teilnahme, vorbereitende Lektüre.

5  LEISTUNGSPUNKTE

2 LP.


1  INHALT

Bernhard von Clairvaux bezeichnete sich selbst als „Chimäre meines Zeitalters“ – also als ein Wesen mit vielen Gesichtern, eine zugleich faszinierende wie verwirrende Erscheinung.
Bernhard war Mönch: einer der ersten Zisterzienser und derjenige, der diesen Orden groß gemacht hat.
Bernhard war Theologe: der größte monastische Theologe des Mittelalters, Vertreter einer Erfahrungstheologie mit mystischen Anklängen, bis weit in die Reformationszeit hinein vielgelesen und auch als Lehrer der Frömmigkeit hochgeschätzt.
Bernhard war Kirchenpolitiker: Kreuzzugsprediger, Berater von Päpsten, Bekämpfer von Ketzern.

Im Seminar wollen wir diesen vielseitigen Kirchenmann in seinen Texten kennenlernen. Damit erschließen sich zugleich verschiedene Facetten der mittelalterlichen Kirchen- und Theologiegeschichte.

Aus dem Seminar kann ein Spezialgebiet für das Examen entwickelt werden.

2  LITERATUR

Zur Vorbereitung empfehle ich: Ulrich Köpf (Hg.). Theologen im Mittelalter, Darmstadt 2002, darin die Einleitung (S. 9–42) und den Abschnitt über Bernhard (S. 79–95).

3  VORAUSSETZUNGEN

Latinum, kirchengeschichtliches Proseminar.

4  ANFORDERUNGEN

Regelmäßige Vorbereitung und Mitarbeit, Interesse am Umgang mit Texten mittelalterlicher Theologie und Frömmigkeit – auch mit Seitenblicken ins Lateinische. Übernahme der Rolle der „Expertin“/des „Experten“ für einzelne Sitzungen.

5  LEISTUNGSPUNKTE

4 LP, Hauptseminararbeit 6 LP.

1  INHALT

Was ist „modernes Christentum“? Diese Frage durchzieht die Kirchengeschichte der beiden vergangenen Jahrhunderte. Nach der Fran­zösischen Revolution wird zunehmend deutlich, dass der Vorgang der „Säkularisierung“ der einst selbstverständlich christlichen Welt unumkehrbar wird. Meist eher unwillig wachsen Kirche und Christentum in neue Rollen hinein. Fragen und Probleme brechen auf: Was heißt in der veränderten Gegenwart christlicher Glaube? Wie kann eine der geschichtlichen Entwick­lung gemäße Gestalt des Christentums aussehen? Das treibt die wissenschaftliche Bibelauslegung (Stichwort: historisch-kritische Exegese) ebenso an wie die Bemühungen um eine lebendige Religiosität (Stichwort: Erweckungsbewegun­gen) und um eine Öffnung konfes­sioneller Grenzen (Stichworte: Kirchen­unionen, Ökumenische Bewegung) oder um eine Wie­dergewinnung konfessioneller Ein­deutigkeit (Stichwort: römisch-katholische Dogmen). Neue Herausforderungen zeigen sich angesichts gesellschaftlicher Umbrüche (Stichwort: Kirchen und soziale Frage) und hinsichtlich des Verhältnisses zum „modernen Staat“ (Stichworte: Kulturkampf, Kirchen­kampf, Kirche und Demokratie). Es handelt sich in allen diesen Bereichen um Klärungs­pro­zesse, die bis zur Gegenwart andauern.

Damit sind zugleich inhaltliche Schwerpunkte der Vorlesung genannt, die auf die Orientierung in gegenwärtigen kirchlichen und gesellschaft­lichen Diskussionen hinführen. Im Tutorium wird eine Vertiefung durch die Lektüre und Diskussion ausgewählter Quellentexte angeboten.

2  LITERATUR

Eine gute Übersicht für den deutschen Raum vermitteln: Johannes Wallmann, Kirchengeschichte Deutschlands seit der Reformation, 72012 (UTB 1355), € 14,99 (zur Anschaffung empfohlen); Kurt Nowak, Geschichte des Christentums in Deutschland, 1995 (leider nicht mehr lieferbar).

3  VORAUSSETZUNGEN

Keine. Die Vorlesung ist für Studierende aller Studienphasen und für Gasthörerinnen und Gasthörer geeignet.

4  ANFORDERUNGEN

Mitdenken und Fragen ist erwünscht. Eine mündliche Vorlesungsprüfung (mit Absprache von inhalt­lichen Schwerpunkten) ist möglich (entweder im Rahmen der ZP/Basismodul KG oder Vorlesungs­prüfung im Wahlbereich).

5  LEISTUNGSPUNKTE

3 LP, Tutorium 1 LP, mündliche Prüfung 3 LP.